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N.55 | Rücknahmesysteme: Lösung für das Fast-Fashion-Problem oder Greenwashing?

Regenesi Staff

N.55 | Rücknahmesysteme: Lösung für das Fast-Fashion-Problem oder Greenwashing?

Die Fast-Fashion-Industrie hat gravierende Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft: Hinter den niedrigen Preisen und den kurzen Modezyklen verbergen sich eine Umweltkrise und die Ausbeutung von Arbeitskräften. Die Massenproduktion minderwertiger Kleidung, die nur für kurze Zeit getragen wird, führt zu einem drastischen Anstieg von Textilabfällen. Zudem erschweren synthetische Materialien auf Erdölbasis das Recycling, da sie nicht biologisch abbaubar sind und Mikroplastik freisetzen. Viele ausrangierte Kleidungsstücke sind aufgrund ihrer schlechten Qualität oder mangelnden Nachfrage für den Second-Hand-Markt nicht wiederverwendbar, während Recycling-Technologien noch in den Kinderschuhen stecken.

Um eine Wende hin zu einem zirkulären Modell zu demonstrieren, setzen immer mehr Marken auf sogenannte Take-Back-Programme, bei denen Verbraucher ihre gebrauchte Kleidung zurückgeben können, damit sie weiterverwendet oder recycelt wird. Allerdings kontrollieren nur wenige Unternehmen tatsächlich, was mit den gesammelten Kleidungsstücken geschieht. Die Untersuchung „Take-back trickery: an investigation into clothing take-back schemes“ der Changing Markets Foundation aus dem Juli 2023 zeigt, dass dieses System oft eine Illusion der Nachhaltigkeit erzeugt. Tatsächlich wurden 60 % der gesammelten Kleidungsstücke entsorgt, verbrannt oder zu minderwertigen Produkten (z. B. Dämmmaterialien oder Putzlappen) weiterverarbeitet, während andere in Länder des Globalen Südens exportiert wurden – eine zusätzliche Belastung für Regionen, die nicht über die Infrastruktur verfügen, um solche Mengen an Textilmüll zu bewältigen. Laut der Europäischen Umweltagentur wirft jeder Europäerin jährlich etwa 11 kg Kleidung weg – eine alarmierende Zahl.

Der Bericht zeigt zudem, dass Take-Back-Programme oft als Greenwashing-Instrumente genutzt werden. Marken präsentieren sich als nachhaltig, ohne echte systemische Veränderungen vorzunehmen. Viele Programme locken Kund*innen mit Gutscheinen oder Rabatten, um Konsum anzuregen, anstatt den Ressourcenverbrauch tatsächlich zu reduzieren.

Regulierung als Wendepunkt für die Modeindustrie

Die Modebranche steht an einem Wendepunkt. Am 5. Juli 2023 veröffentlichte die Europäische Kommission die überarbeitete Abfallrahmenrichtlinie, in der erstmals ein EU-weites System der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien und Schuhe vorgeschlagen wird. Diese neue Gesetzgebung verpflichtet Unternehmen, die Kosten für die Entsorgung und Sortierung von Textilabfällen zu tragen, bevor diese ins Ausland exportiert werden. Parallel dazu wird ein Gesetz gegen Greenwashing entwickelt, das Unternehmen dazu verpflichtet, ihre Nachhaltigkeitsaussagen mit handfesten Beweisen zu untermauern.

In dieser kritischen Phase ist es entscheidend, dass sowohl Verbraucher*innen als auch Marken die Situation mit einem kritischen Blick betrachten. Take-Back-Programme sind potenziell wertvolle Instrumente, doch ohne echte Verantwortung und Transparenz bleibt ihre Wirkung begrenzt. Eine nachhaltige Zukunft erfordert einen systemischen Wandel und ein gemeinschaftliches Engagement für eine wirklich zirkuläre Modewirtschaft.

Regenesi: Nachhaltigkeit durch Upcycling & technologische Innovation

Bei Regenesi engagieren wir uns aktiv für die Sammlung und Wiederverwertung von Alttextilien. Unsere Produktionsketten basieren auf dem Prinzip der Abfallregeneration und kreativen Wiederverwendung. So entstehen aus alten Jeans neue Taschen oder aus Plastikflaschen nachhaltiger Schmuck. Wir glauben, dass Nachhaltigkeit sowohl Aufklärung als auch eine bewusste End-of-Life-Strategie für Produkte erfordert.

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Upcycling-Projekt ist  Regenerate Your Jeans” 
➡️ Kund*innen schicken uns eine alte Jeans, die in ein hochwertiges, in Italien gefertigtes Designstück umgewandelt wird.
➡️ Zur Auswahl stehen verschiedene Taschenmodelle.
➡️ Unser kostenloser Abhol- und Rücksendeservice sorgt für eine bequeme Abwicklung.

Neben Upcycling-Projekten setzen wir auch auf innovative Technologien: Mit Regenstech haben wir ein industrielles Verfahren entwickelt, das Textilabfälle in thermoplastisches Material umwandelt. So entstehen recycelbare Sekundärrohstoffe, mit denen Modeunternehmen ihre eigenen Abfälle direkt verwerten können. Dieses Verfahren stellt eine nachhaltige Alternative zum Export ausrangierter Kleidung in Entwicklungsländer dar.

Fazit: Nachhaltige Mode braucht Bewusstseinswandel und Technologie

Der Übergang zu einem nachhaltigen, kreislauforientierten Modellsystem erfordert:
Bewusstere Kaufentscheidungen seitens der Konsument*innen.
Upcycling-Projekte, die Textilien neues Leben geben.
Technologische Lösungen, die Abfälle in wertvolle Rohstoffe umwandeln.

Wie bei jeder Innovation sind die Herausforderungen groß, aber der Weg ist vorgezeichnet – jetzt ist es an der Zeit, ihn in die Praxis umzusetzen.